Cutting Corners Design heisst jetzt Bags and Seams Design!

Sarah, Blogauthorin von Bags and Seams Design

Autorin

Sarah von Bags and Seams Design

Sarah ist erfolgreiche Schnittmusterdesignerin für Taschen, Gründerin von Bags and Seams Design und BERNINA Kursleiterin. Mit viel Leidenschaft unterstützt sie Nähanfänger dabei, ihre Begeisterung fürs Taschennähen zu entdecken. In ihren hochwertigen Kursen vermittelt sie Schritt für Schritt das nötige Wissen und sorgt für motivierende Näherlebnisse mit sichtbaren Erfolgsergebnissen.

Taschen nähen mit Oilskin

Nähwerkzeug und Stoffe für Oilskin Taschenherstellung.

In Kürze

Oilskin schaut schwierig aus - aber auch für Anfänger ist er als Taschenstoff ideal: Er lässt sich sehr einfach verarbeiten und verzeiht viele Fehler. Ich zeige dir die drei Regeln, die richtige Nadel und welches Projekt sich für den Start eignet.

Inhaltsverzeichnis

Im Stoffladen liegt er meistens etwas abseits. Dunkelgrün, dunkelbraun, mit diesem matten Schimmer und dem leicht wachsigen Griff. Man fasst ihn an, findet ihn schön und legt ihn wieder hin. Aber Oilskin ist meiner Erfahrung nach einer der tollsten Stoffe, wenn es um Taschen geht: er nimmt dir als Anfängerin einen Haufen Arbeit ab, ist dankbar bei Fehlern und verleiht deiner Tasche einen tollen Look!

In diesem Blogbeitrag erkläre ich dir warum Oilskin ein für mich unterbewerteter Stoff beim Taschen nähen ist, warum du, auch als Anfänger, gar keine Angst davor haben musst (eher im Gegenteil) und wie du ihn richtig vernähst. 

Kurz gesagt: Ist Oilskin Stoff gut für Anfängerinnen?

Ja, für Taschen sogar besonders gut. Oilskin ist stabil, steht oft schon ohne Vlies, die Nähte werden ohne Bügeleisen gepresst und er verzeiht optisch viel. D

Du musst dafür nur die drei Grundregeln bei der Verarbeitung von Oilskin kennen:

  • Finger statt Bügeleisen: Nähte mit dem Fingernagel oder Falzbein flach streichen.
  • Klammer statt Stecknadel: Stoffklammern verwenden, weil Nadeln Löcher hinterlassen.
  • Stoff vor Vlies: Erst schauen, ob der Stoff allein reicht. Wenn du mehr Stand willst, lässt sich Vlies gut aufbügeln, nach einem Test an einem Rest.

Achte beim Kauf auf gute Qualität. Klassisches Oilskin gibt nur bei extremer Hitze Wachs ab, im Alltag nicht. Wer trotzdem unsicher ist, nimmt Dry Oilskin: Er fühlt sich trocken an und färbt laut Hersteller nicht ab.

Nicht geeignet ist Oilskin, wenn du eine Tasche brauchst, die in die Waschmaschine darf, oder wenn sie ganz weich und fliessend fallen soll.

Was ist Oilskin eigentlich?

Oilskin ist ein Baumwollgewebe, das mit Öl oder Wachs imprägniert wurde. Dadurch wird es wasserabweisend und windabweisend und bekommt seinen typischen, leicht festen Griff.

Ursprünglich wurde Oilskin für Seemannskleidung und Planen verwendet. Heute findest du ihn vor allem bei Jacken, Hüten und Taschen. Im Handel begegnen dir verschiedene Namen: Oilskin, gewachste Baumwolle, Waxed Canvas, Canvas Oilskin. Gemeint ist im Kern immer dasselbe Prinzip: ein Baumwollgewebe mit Imprägnierung.

Nicht verwechseln mit Wachstuch: Als Wachstuch wird im Deutschen oft auch beschichtete Tischdecken-Ware oder ein Bienenwachstuch für die Küche bezeichnet. Das sind andere Materialien mit anderen Eigenschaften.

So entsteht Oilskin:

Oilskin entsteht, indem meist dicht gewebte Baumwolle mit Öl oder Wachs imprägniert wird. Dadurch wird der Stoff wasserabweisender, robuster und bekommt seine typische griffige Oberfläche und den charakteristischen Used-Look.

Roter Oilskin Stoff mit Wassertröpfchen für Taschen nähen.

Klassisches Oilskin oder Dry Oilskin: Was nehme ich für die erste Tasche?

Beide funktionieren für die erste Tasche. Klassisches Oilskin (Heavy) ist im Alltag unproblematisch, Wachs tritt nur bei extremer Hitze aus. Er ist jedoch zum Teil sehr dick, kann sehr steiff wirken oder bei mehreren Lagen schwieriger in der Verarbeitung sein.

Wer da unsicher ist oder einen trockenen Griff mag, nimmt Dry Oilskin.

Bei beiden ist die Qualität der Stoffe entscheidend und ich rate dir immer zu Markenware. 

Woran erkenne ich gute Qualität?​

Qualitativ hochwertigen Oilskin erkennst du am gleichmässigen Gewebe, an einer gleichmässigen Imprägnierung und an klaren Herstellerangaben.

  • Gewebe: dicht und gleichmässig, keine dünnen Stellen, wenn du den Stoff gegen das Licht hältst.
  • Imprägnierung: gleichmässig verteilt, keine schmierigen oder fleckigen Stellen.
  • Angaben: Faser, Gewicht (g/m²), Sorte (klassisch oder Dry) und Pflegehinweise sind angegeben.
  • Musterstück: Bei unbekannten Shops oder sehr günstiger Ware lohnt sich ein Muster oder ein halber Meter zum Testen.

Warum Oilskin der perfekte Stoff für Taschennäh-Anfängerinnen ist

Kurz gesagt: Er verzeiht viele Fehler, lässt sich sehr einfach zuschneiden und vernähen und sieht optisch immer toll aus! Ausserdem ist er wasserabweisend und umweltteschnisch deutlich besser als PVC beschichtetes Kunstleder. 

1. Er verzeiht optisch viel

Klassisches Oilskin bekommt mit der Zeit Patina: Knicke, helle Kratzspuren, ein lebendiger Glanz. Eine leicht schiefe Steppnaht fällt auf so einer Oberfläche weit weniger auf als auf glatter, heller Baumwolle. Und weil Oilskin von Anfang an „benutzt“ aussehen darf, ist die erste Delle kein Drama.

2. Er sieht sofort hochwertig aus und ist wasserabweisend

Das ist eine Stilfrage, aber eine, die viele Anfängerinnen beschäftigt: Oilskin wirkt wertig und erwachsen. Eine schlichte Form reicht, damit die Tasche nach Laden aussieht und nicht nach Bastelprojekt.

Ausserdem ist er perfekt für Taschen geeignet: denn Oilskin ist wasserabweisend. Ein Regenschauer auf dem Weg zum Bus macht ihm nichts aus. Wasserdicht im Sinne von „kann man untertauchen“ ist er aber nicht, und bei Dry Oilskin perlt das Wasser laut Hersteller auch nicht vollständig ab. Es dringt aber nicht durch.

3. Einfache Handhabung

Du kannst ihn einfach zuschneiden, Nahtzugaben mit der Hand umknicken ohne zu bügeln und richtig tolle Ecken damit erziehlen – Oilskin ist ein wahnsinnig guter Stoff um Zeit zu sparen mit tollen Ergebnissen!

Oilskin lebt mit:

Knicke, Falten und helle Spuren sind kein Makel – sie gehören zum typischen Look und machen jede Tasche mit der Zeit einzigartig.

Oilskin: die drei grossen Regeln

Regel 1: Finger statt Bügeleisen

Direkte, starke Hitze auf der rechten Seite schadet der Imprägnierung. Darum raten die Hersteller davon ab, Oilskin wie Baumwolle zu bügeln. Für Nähte brauchst du das Bügeleisen ohnehin nicht. (Vlies aufbügeln ist eine andere Sache, dazu mehr bei Regel 3.)

So presst du mit dem Finger:
1. Nahtzugabe aufklappen oder zur Seite legen.
2. Mit dem Fingernagel mehrmals fest entlang der Naht streichen.
3. Für schärfere Kanten ein Falzbein oder den Rücken eines Holzlöffels nehmen.
4. Bei breiten Nahtzugaben knappkantig absteppen, dann bleiben sie dauerhaft flach.

Regel 2: Klammer statt Stecknadel

Jeder Stich mit einer Stecknadel bleibt als kleines Loch sichtbar. Stoffklammern (oft „Wonder Clips“ genannt) halten die Lagen zusammen, ohne zu stechen. Wenn du doch einmal stecken musst, dann nur innerhalb der Nahtzugabe.

Musst du eine Naht auftrennen: Bei klassischem Oilskin kannst du die Nadellöcher mildern, indem du den Stoff zwischen den Fingern reibst. Beim Dry Oilskin ist das weniger möglich, aber je nach Stoff auch gut machbar. 

Regel 3: Stoff vor Vlies

Schwerer Oilskin bringt viel Stand mit, bei vielen Taschen reicht das. Bevor du Vlies einplanst, frag dich also: Brauche ich das an dieser Stelle wirklich?

Wenn ja, lässt sich Vlies auf Oilskin gut aufbügeln:
1. Immer zuerst an einem Rest deines Oilskins testen, mit genau dem Vlies, das du verwenden willst.
2. Von der linken Seite bügeln, mit Bügeltuch dazwischen. Bei Heavy Oilskin habe ich immer ein Backpapier unter dem Stoff sowie über dem Oilskin um mein Bügeleisen zu schonen, denn bei der Wärme tritt doch immer etwas Wachs aus. 
3. Temperatur und Bügelzeit nach Angabe des Vlies-Herstellers, drücken statt schieben.
4. Auskühlen lassen und prüfen: Hält das Vlies? Hat sich die rechte Seite verändert?
5. Auf Qualität achten, bei Oilskin und beim Vlies.

Nahaufnahme von robustem Oilskin Stoff mit Naht für Taschen.

Fazit: So startest du mit Oilskin

  1. Kauf für den Anfang einen halben bis einen Meter Oilskin in guter Qualität. Unsicher? Dann Dry Oilskin.
  2. Leg dir Clips, eine Universalnadel in der benötigten Dicke und Polyestergarn Für die Nähte bleibt das Bügeleisen im Schrank.
  3. Näh zuerst ein Probestück: Naht, Fingerpressen, Absteppen, einmal auftrennen, und wenn du Vlies einplanst, ein Stück davon aufbügeln. Dann weisst du, wie sich dein Stoff verhält.
  4. Wähle als erstes Projekt etwas mit geraden Nähten, zum Beispiel einen Shopper.

 

Dein nächster Schritt

Lade dir das kostenlose Oilskin-Infosheet herunter: mit allen Informationen die du benötigst um mit Oilskin zu arbeiten. 

Meine Antworten zu deinen Fragen über Oilskin

Hier kommen die Antworten zu Euren häufigsten Fragen zum Nähen mit Oilskin: 

Kann man Oilskin waschen?

Die Hersteller raten davon ab. Waschen löst die Imprägnierung, danach müsste der Stoff neu behandelt werden, und die Oberfläche verändert sich. Verschmutzungen wischst du mit einem feuchten Tuch und kaltem Wasser ab.

Kann man Oilskin bügeln?

Grundsätzlich nein, weil Hitze die Imprägnierung löst. Einige Dry Oilskins vertragen laut Hersteller eine kühle Einstellung mit Tuch. Für Nähte reicht Fingerpressen.

Ist Oilskin wasserdicht?

Oilskin ist wasserabweisend, nicht wasserdicht. Regen dringt nicht so schnell durch, aber an Nähten und bei langem Nässe-Kontakt kann Wasser durchkommen.

Kann man Vlies auf Oilskin aufbügeln?

Ja, das funktioniert gut, vor allem bei Dry Oilskin. Bei sehr stark gewirkten Stoffen ist das Einnähen von Vlies eher ratsam. Entscheidend sind ein Test am Rest deines Oilskins und eine gute Qualität bei Stoff und Vlies.

Färbt Oilskin ab?

Klassisches Oilskin kann nur bei extremer Hitze Wachs abgeben, etwa im Auto in der Sommersonne. Im Alltag passiert das nicht. Wer ganz sicher gehen will, nimmt Dry Oilskin.

Was ist der Unterschied zwischen Oilskin und gewachster Baumwolle?

Im Alltag werden die Begriffe oft gleich verwendet. Beides ist Baumwollgewebe mit Imprägnierung. Unterschiede liegen in der Art der Imprägnierung (Öl, Paraffin, Bienenwachs, Emulsion) und damit im Griff. Die Produktbeschreibung sagt dir, was du hast.

Kann man Oilskin nachwachsen?

Ja. Die Hersteller bieten dafür Wachs-Bars (für klassisches Oilskin) bzw. Sprays (für Dry Oilskin) an. Die Behandlung kann den Griff verändern, also erst an einer unauffälligen Stelle testen.

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