Cutting Corners Design heisst jetzt Bags and Seams Design!

Sarah, Blogauthorin von Bags and Seams Design

Autorin

Sarah von Bags and Seams Design

Sarah ist erfolgreiche Schnittmusterdesignerin für Taschen, Gründerin von Bags and Seams Design und BERNINA Kursleiterin. Mit viel Leidenschaft unterstützt sie Nähanfänger dabei, ihre Begeisterung fürs Taschennähen zu entdecken. In ihren hochwertigen Kursen vermittelt sie Schritt für Schritt das nötige Wissen und sorgt für motivierende Näherlebnisse mit sichtbaren Erfolgsergebnissen.

Inhaltsverzeichnis

Plotten für Anfänger: Grundlagen, Materialien und einfache Anleitung

Plotten für Anfänger

In Kürze

Plotten lernen leicht gemacht: Erfahre, welchen Plotter, welche Folien, Werkzeuge und Plotterdateien du brauchst und wie du dein erstes Projekt erfolgreich umsetzt.

Beim Plotten schneidet ein elektronischer Schneideplotter digitale Motive aus Materialien wie Papier, Vinylfolie, Flexfolie, Flockfolie, Aufkleberpapier oder dünnem Karton aus.

Zum Nähen ist der Plotter eine tolle Ergänzung: du kannst schnell und einfach beliebige Motive ausplotten , Farben und Grösse wählen und auf deine Stoffe dauerhaft anbringen. Aber auch im Nähzimmer ist ein Plotter eine tolle Möglichkeit tolle kreative Ideen umzusetzen. 

In diesem Blogbeitrag erkläre ich dir die Grundlagen, die du verstehen musst, um dich für einen Plotter zu entscheiden oder die ersten Schritte mit deinem neuen Plotter zu gehen. 

Was bedeutet Plotten?​

Im kreativen Hobbybereich bezeichnet Plotten meistens das computergesteuerte Schneiden von Materialien.

Ein Schneideplotter ähnelt optisch einem Drucker. Statt Tinte auf Papier aufzutragen, bewegt er jedoch ein kleines Messer entlang der Linien einer digitalen Datei. Das Motiv wird dadurch aus Folie, Papier oder einem anderen geeigneten Material ausgeschnitten.

Der Plotter druckt das Motiv normalerweise nicht. Er schneidet lediglich die vorgegebenen Linien. Eine Ausnahme bilden sogenannte Print-then-Cut- oder Print-and-Cut-Projekte. Dabei wird ein Motiv zuerst mit einem gewöhnlichen Drucker ausgedruckt und anschliessend vom Plotter entlang einer Kontur ausgeschnitten. Kompatible Geräte erkennen dafür gedruckte Passermarken beziehungsweise Sensormarkierungen.

Mit einem Plotter kannst du unter anderem folgende Projekte gestalten:

  • Aufkleber und Beschriftungen
  • Karten und Papeterie
  • Schriftzüge für Textilien
  • Dekorationen aus Papier
  • Fensterbilder
  • Etiketten
  • Schablonen
  •  Wandtattoos
  • Verpackungen
  •  personalisierte Geschenke
  •  T-Shirts, Pullover und Kinderkleidung
  •  Kissenbezüge
  •  Stoffbeutel und Jutebeutel
  • Tassen und Gläser
  • Schilder
  • Taschen und Kosmetiktaschen

 

Moderne Hobbyplotter können je nach Modell neben selbstklebender Vinylfolie und Bügelfolie auch Papier, Karton, Stickerpapier, Stoff und verschiedene Spezialmaterialien schneiden. Welche Materialien tatsächlich verarbeitet werden können, hängt von Maschine, Messer, Schneidematte und Materialstärke ab.

Wie funktioniert Plotten mit einem Plotter?

Der grundsätzliche Ablauf ist bei den meisten Schneideplottern ähnlich:

1. Du erstellst oder kaufst eine Plotterdatei.
2. Du öffnest die Datei in der Software deines Plotters.
3. Du passt Grösse, Ausrichtung und Position des Motivs an.
4. Du wählst das Material und die passende Schneideeinstellung aus.
5. Du legst das Material auf die Schneidematte oder direkt in den Plotter.
6. Du führst möglichst einen Testschnitt durch.
7. Der Plotter schneidet das Motiv aus.
8. Du entfernst die nicht benötigten Teile.
9. Du überträgst das Motiv auf den gewünschten Gegenstand.

Das Entfernen der überflüssigen Folienteile wird als Entgittern bezeichnet. Dafür wird meistens ein Entgitterhaken verwendet.

Bei mehrfarbigen oder mehrteiligen Motiven werden die einzelnen Elemente nacheinander ausgeschnitten und anschliessend zusammengesetzt oder in mehreren Schritten übertragen.

Extra-Wissen: Ein Plotter druckt nicht

Obwohl ein Schneideplotter ähnlich wie ein Drucker aussieht, bringt er normalerweise keine Farbe auf das Material auf. Stattdessen bewegt er ein kleines Messer entlang der Linien einer Plotterdatei und schneidet damit Formen, Schriften oder Motive aus Folie, Papier oder anderen geeigneten Materialien aus. Die Farbe stammt also nicht vom Plotter, sondern vom verwendeten Material. Bei Flexfolie, Flockfolie oder Vinylfolie entscheidest du bereits durch die Wahl der Folie, welche Farbe das fertige Motiv haben wird. Mehrfarbige Designs entstehen häufig aus mehreren einzeln geschnittenen Folienlagen, die nacheinander zusammengesetzt oder aufgebügelt werden.

Automatisierte Plottermaschine beim Schneiden von Stoff für Anfänger.

Was braucht man zum Plotten?​​

Einen Schneideplotter

Für das Plotten für Anfänger eignen sich kompakte Hobbyplotter mit einer verständlichen Software und einer guten Auswahl an Materialeinstellungen.

Bekannte Geräte unterscheiden sich unter anderem bei folgenden Punkten:

  • maximaler Schnittbreite
  • möglicher Schnittlänge
  • unterstützten Materialien
  •  verfügbaren Messern und Werkzeugen
  • Schneidekraft
  • Nutzung mit oder ohne Schneidematte
  • Software und Dateiformaten
  • Bedienung über Computer, Tablet oder Smartphone
  • Print-and-Cut-Funktion
  • Zubehörangebot

Für einfache Projekte aus Vinylfolie, Flexfolie, Papier und Karton reicht ein klassisches Einsteigermodell meistens aus.

Möchtest du später dickere Materialien, Stoff, Leder, Graupappe oder Holz schneiden, benötigst du je nach Material eine leistungsfähigere Maschine und spezielle Werkzeuge.

Einige Plotter können bestimmte herstellereigene Materialien ohne Schneidematte einziehen. Andere Materialien oder Folien anderer Hersteller müssen weiterhin auf einer passenden Schneidematte verwendet werden.

Die passende Plotter-Software

Jeder Schneideplotter arbeitet mit einer Software oder App. Darin kannst du:

  • Plotterdateien öffnen
  • Motive vergrössern oder verkleinern
  • Texte hinzufügen
  • Schriftarten auswählen
  • Formen kombinieren
  •  einzelne Ebenen bearbeiten
  • Farben zuordnen
  • Schneidelinien festlegen
  • Motive spiegeln
  • Material und Schneideeinstellung auswählen

Prüfe vor dem Kauf einer Plotterdatei, ob deine Software das angebotene Dateiformat öffnen kann.

Bei manchen Programmen können bestimmte Dateiformate nur mit einer kostenpflichtigen Softwareversion geöffnet werden. Silhouette weist beispielsweise darauf hin, dass das Öffnen von SVG-Dateien eine entsprechende kostenpflichtige Edition von Silhouette Studio erfordert.

Schneidematten

Eine Schneidematte besitzt eine leicht haftende Oberfläche. Sie hält das Material während des Schneidens an seinem Platz.

Je nach Hersteller gibt es Matten mit unterschiedlicher Klebekraft:

  • leicht haftend für dünnes Papier
  • standardhaftend für Vinylfolie, Flexfolie und Karton
  • stark haftend für dickere oder feste Materialien
  • spezielle Stoffmatten

Die Schneidematte sollte zum Material passen. Eine zu stark klebende Matte kann dünnes Papier beschädigen. Eine zu schwach klebende Matte hält das Material möglicherweise nicht ausreichend fest.

Entferne Fusseln, Papierreste und Folienstücke regelmässig von der Matte. Wird sie zu stark verschmutzt, kann sich das Material während des Schneidens verschieben.

Plottermesser

Das Messer schneidet die Linien des Motivs aus dem Material.

Für Vinylfolie, Flexfolie, Papier und dünnen Karton wird meistens ein Feinschnittmesser verwendet. Für dickere oder besondere Materialien können Tiefschnittmesser, Kraftmesser oder Rollmesser erforderlich sein.

Mehr Messertiefe bedeutet nicht automatisch einen besseren Schnitt. Ein zu weit herausstehendes Messer kann das Trägerpapier durchschneiden, die Schneidematte beschädigen oder feine Motive verziehen.

Bei unsauberen Schnitten solltest du zuerst prüfen:

  • Ist das Messer sauber?
  • Ist die Messerspitze beschädigt?
  • Wurde das richtige Material ausgewählt?
  • Ist der Schneidedruck ausreichend?
  • Liegt das Material glatt auf der Matte?
  • Ist die Schrift oder das Motiv zu klein?

Silhouette empfiehlt bei Standard-Vinylfolien und den meisten Bügelfolien ein AutoBlade oder ein manuelles 1-mm-Messer. Eine unnötig hohe Messertiefe kann das Trägermaterial, die Matte oder die Schneideleiste beschädigen.

Entgitterwerkzeug

Nach dem Schneiden müssen alle Folienteile entfernt werden, die nicht zum fertigen Motiv gehören.

Ein Entgitterhaken besitzt eine feine Spitze, mit der du kleine Innenflächen und Folienreste anheben kannst.

Besonders praktisch sind zusätzlich:

  • eine feine Pinzette
  • eine kleine Schere
  • ein Skalpell
  •  eine beleuchtete Entgitterunterlage
  •  eine Auffangschale für Folienreste

Beginne beim Entgittern möglichst mit den grossen Aussenflächen. Entferne danach kleine Elemente wie die Innenflächen von Buchstaben.

Kontrolliere vor der Übertragung genau, ob alle nicht benötigten Teile entfernt wurden.

Rakel

Ein Rakel ist ein flaches Werkzeug aus Kunststoff, Filz oder Gummi.

Es wird vor allem bei selbstklebender Vinylfolie verwendet. Mit dem Rakel drückst du die Transferfolie auf das geschnittene Motiv und überträgst die Folie anschliessend auf die gewünschte Oberfläche.

Ein Rakel hilft dabei:

  • Luftblasen zu vermeiden
  • die Transferfolie gleichmässig anzudrücken
  • kleine Motivteile sicher zu übertragen
  • Schriftzüge gerade aufzubringen

Transferfolie

Transferfolie wird für selbstklebende Vinylfolie benötigt.

Nachdem das Motiv entgittert wurde, wird die Transferfolie auf die Vorderseite des Motivs gelegt. Sie nimmt alle Teile gleichzeitig auf und hält ihre Anordnung während der Übertragung fest.

Anschliessend wird das Trägerpapier der Vinylfolie entfernt und das Motiv auf die gereinigte Oberfläche geklebt.

Transferfolien sind in unterschiedlichen Klebestärken erhältlich. Sehr stark haftende Transferfolie kann empfindliche oder matte Vinylfolie beschädigen. Eine zu schwache Transferfolie nimmt kleine Details möglicherweise nicht zuverlässig auf.

ORAFOL bietet für geschnittene Schriften und Symbole beispielsweise transparente und halbtransparente Übertragungsfolien beziehungsweise Übertragungspapiere an.

Heizpresse, Transferpresse oder Bügeleisen

Bügelfolien werden mit Hitze und Druck auf Textilien übertragen.

Dafür kannst du je nach Folie verwenden:

  • eine flache Transferpresse
  • eine kompakte Heizpresse
  • ein Bügeleisen
  • eine Tassenpresse
  • eine Kappenpresse
  • spezielle Pressaufsätze

Eine Transferpresse verteilt Temperatur und Druck gleichmässiger als ein Bügeleisen. Für gelegentliche kleine Projekte kann ein Bügeleisen dennoch ausreichen, sofern die verwendete Folie dafür freigegeben ist.

Verwende eine feste, hitzebeständige Unterlage. Ein weiches Bügelbrett kann den notwendigen Druck verringern.

Entscheidend sind immer die Herstellerangaben zu:

  • Temperatur
  • Pressdauer
  • Anpressdruck
  • Vorpressen
  • warmem oder kaltem Abziehen
  • geeignetem Textil

Zu wenig Hitze, Zeit oder Druck kann dazu führen, dass sich die Folie ablöst. Zu viel Hitze oder eine zu lange Pressdauer kann ebenfalls Schäden und Haftungsprobleme verursachen.

Weiteres Zubehör

Für den Einstieg sind ausserdem hilfreich:

  • Ersatzmesser
  • zusätzliche Schneidematten
  • hitzebeständiges Klebeband
  • Backpapier oder Schutzpapier
  • Presskissen
  •  Teflon- oder Schutzfolie nach Herstellerempfehlung
  • Lineal und Massband
  • hitzebeständige Unterlage
  • Fusselrolle
  • Reinigungsalkohol für glatte Oberflächen
  • Markierstift
  • Aufbewahrung für Folienrollen
  • Stoffreste für Pressversuche
  • Farbmusterkarten
 
Du siehst, da kommt schon einiges zusammen, was man für den Anfang braucht.

Mein Tipp: Inzwischen gibt es auch kleine Plotter, die mit einem umfangreichen Zubehörpacket verkauft werden. Möchtest du Plotten erst ausprobieren, ist das eine gute Wahl um erste Erfahrungen zu sammeln. 
Person bedient Plotter für Anfänger mit Fokus auf Grundlagen und Materialien.

Welche Materialien kann man plotten?

Papier

Papier ist ideal für Karten, Geschenkanhänger, Dekorationen und Verpackungen.

Wähle die Schneidematte passend zur Papierstärke. Dünnes Papier benötigt eine weniger stark haftende Matte als fester Karton.

Nimm Papier vorsichtig von der Matte. Biege dabei besser die Schneidematte vom Papier weg, statt das Papier stark nach oben zu ziehen. So lassen sich Wellen und Knicke reduzieren.

Karton

Karton eignet sich für:

  • Karten
  • Schachteln
  • Cake Topper
  • Dekorationen
  • Einladungen
  • Geschenkverpackungen
  • dreidimensionale Papierprojekte

Dicker Karton kann mehrere Schneidedurchgänge oder ein spezielles Messer benötigen.

Bei sehr kleinen oder feinen Formen besteht die Gefahr, dass Ecken ausreissen. Ein Testschnitt hilft dabei, die richtige Einstellung zu finden.

Selbstklebende Vinylfolie

Selbstklebende Vinylfolie besitzt auf der Rückseite eine Klebeschicht.

Sie eignet sich für glatte, saubere und fettfreie Oberflächen wie:

  • Glas
  • Kunststoff
  • Metall
  • lackiertes Holz
  • Schilder
  • Aufbewahrungsboxen
  • Notizbücher
  • Tassen
  • Flaschen
  • Fenster

Vinylfolie gibt es permanent und ablösbar.

Ablösbare Vinylfolie eignet sich beispielsweise für kurzfristige Dekorationen oder Wandgestaltungen. Permanente Vinylfolie ist für längerfristige Beschriftungen gedacht.

ORAFOL beschreibt die permanente ORACAL-651-Folie als Plotterfolie für kurz- und mittelfristige Beschriftungen und Dekorationen. ORACAL 631 besitzt dagegen einen ablösbaren Klebstoff und ist für glatte, versiegelte Oberflächen im Innenbereich ausgelegt.

Selbstklebende Vinylfolie wird normalerweise nicht für textile Oberflächen verwendet. Auf Stoff kann sie schlecht haften und sich durch Bewegung oder Waschen lösen.

Bügelfolie

Bügelfolie wird auch als Textilfolie, Wärmeübertragungsfolie oder Heat Transfer Vinyl bezeichnet.

Sie besitzt einen Klebstoff, der durch Hitze aktiviert wird. Nach dem Schneiden und Entgittern wird das Motiv mit einer Presse oder einem geeigneten Bügeleisen auf das Textil übertragen.

Bügelfolie wird meistens für folgende Materialien verwendet:

  • Baumwolle
  •  Polyester
  • Baumwoll-Polyester-Mischungen
  • Jersey
  • Sweat
  • Canvas
  • Stoffbeutel
  • Kissenbezüge
  • Taschen
  • Schürzen

Nicht jede Bügelfolie eignet sich für jedes Textil. Nylon, beschichtete Stoffe, sublimiertes Polyester und stark elastische Textilien benötigen häufig spezielle Folien mit niedrigerer Presstemperatur oder höherer Dehnbarkeit.


Flexfolie

Flexfolie ist eine glatte und vergleichsweise dünne Bügelfolie.

Sie ist eine gute Wahl für Anfänger, weil sie sich meistens leicht schneiden, entgittern und übertragen lässt.

Flexfolie eignet sich besonders für:

  • Schriftzüge
  • Namen
  • Logos
  • einfache Symbole
  • mehrfarbige Motive
  • Kinderkleidung
  • T-Shirts
  •  Stoffbeutel
  •  Kissen
  • Baumwolltaschen

Die genaue Temperatur und Pressdauer hängen vom jeweiligen Produkt ab. Verwende deshalb nicht für jede Flexfolie dieselbe Einstellung.


Flockfolie

Flockfolie besitzt eine weiche, samtartige Oberfläche und wirkt etwas dicker als gewöhnliche Flexfolie.

Sie eignet sich für Motive, die eine fühlbare Struktur erhalten sollen. Flockfolie kann beispielsweise verwendet werden für:

  • grosse Schriftzüge
  • Tiermotive
  • Monogramme
  • Kinderkleidung
  • Pullover
  • Kissen
  • dekorative Taschen

Siser beschreibt Flockfolie als weich, wildlederähnlich und leicht erhaben. Sie kann dadurch optisch an eine Stickerei erinnern.

Sehr kleine oder filigrane Details können bei dicker Flockfolie schwieriger zu schneiden und zu entgittern sein. Für dein erstes Projekt ist deshalb ein klares, nicht zu kleines Motiv empfehlenswert.


Spezialfolien

Neben klassischer Flex- und Flockfolie gibt es zahlreiche Spezialmaterialien:

  • Glitzerfolie
  • Metallicfolie
  • reflektierende Folie
  • holografische Folie
  • nachtleuchtende Folie
  •  dehnbare Folie
  • Pufffolie mit 3D-Effekt
  • bedruckbare Bügelfolie
  • Folien für empfindliche Textilien

Spezialfolien können andere Schneide- und Pressbedingungen benötigen. Pufffolie reagiert beispielsweise während des Pressens und erzeugt dabei eine erhabene Oberfläche. Dehnbare oder niedrig temperierte Folien eignen sich je nach Produkt besser für elastische oder hitzeempfindliche Textilien.

Beginne beim Plotten lernen besser mit einer glatten, einfarbigen Flexfolie. Sobald du die Grundlagen beherrschst, kannst du verschiedene Effekte ausprobieren.


Aufkleberpapier und bedruckbare Folie

Mit Aufkleberpapier und einer Print-and-Cut-Funktion kannst du farbig gedruckte Sticker herstellen.

Der Ablauf unterscheidet sich vom klassischen Schneiden einer einfarbigen Folie:

1. Das Motiv wird in der Software vorbereitet.
2. Ein Drucker druckt das Motiv zusammen mit Sensormarkierungen.
3. Das bedruckte Blatt wird auf die Schneidematte gelegt.
4. Der Plotter erkennt die Markierungen.
5. Die Maschine schneidet die Kontur des Motivs aus.

Für solche Projekte benötigst du neben dem Plotter einen kompatiblen Drucker und ein geeignetes bedruckbares Material.

Bunte Plotterfolien in verschiedenen Farben für Bastelarbeiten.

Extra-Wissen:Die Folienfarbe kann das Entgittern beeinflussen

Nicht nur die Grösse des Motivs entscheidet darüber, wie einfach sich eine Folie entgittern lässt. Bei sehr dunklen, glänzenden oder stark reflektierenden Folien sind die Schnittlinien manchmal schwer zu erkennen. Eine helle Arbeitsfläche, seitliches Licht oder eine beleuchtete Entgitterunterlage kann die Linien sichtbarer machen. Auch das leichte Biegen der Folie kann helfen, die geschnittenen Konturen zu erkennen. Knicke den Träger dabei nicht so stark, dass sich kleine Motivteile unbeabsichtigt lösen.

Was ist eine Plotterdatei?

Eine Plotterdatei enthält Formen, Linien oder Flächen, die in einer Plottersoftware verarbeitet werden können.

Besonders gut eignen sich Vektordateien. Sie bestehen nicht aus einzelnen Bildpunkten, sondern aus mathematisch definierten Linien und Formen. Dadurch lassen sie sich vergrössern oder verkleinern, ohne unscharf zu werden.

Zu den häufig angebotenen Dateiformaten gehören:

  • SVG
  • DXF
  • PNG
  • JPG
  • PDF
  • EPS

 

Nicht jedes Format funktioniert in jeder Software auf dieselbe Weise.

SVG- und DXF-Dateien enthalten in der Regel Vektorlinien. PNG- und JPG-Dateien sind Bilddateien. Sie müssen je nach Software zunächst nachgezeichnet, freigestellt oder als Druck-und-Schneide-Datei verwendet werden.

Eine Plotterdatei kann mehrere Ebenen enthalten. Bei einem mehrfarbigen Motiv kann jede Farbe als separate Ebene angelegt sein.

Worauf sollte man beim Kauf einer Plotterdatei achten?​

Bevor du eine Plotterdatei kaufen oder einen Plotterdatei-Download starten möchtest, kontrolliere:

1. Ist das benötigte Dateiformat enthalten?
2. Kann deine Software dieses Format öffnen?
3. Ist das Motiv für dein Material geeignet?
4. Besitzt die Datei sehr kleine oder filigrane Details?
5. Sind die Ebenen sauber getrennt?
6. Gibt es eine Anleitung oder Vorschaubilder?
7. Ist die Datei für Anfänger geeignet?
8. Darfst du fertige Produkte damit verkaufen?
9. Darfst du die Datei verändern?
10. Welche gewerblichen Lizenzbedingungen gelten?

Eine gekaufte Plotterdatei darf normalerweise nicht als digitale Datei weitergegeben, verschenkt oder weiterverkauft werden.

Auch kostenlose Dateien können nur für die private Nutzung freigegeben sein. Prüfe deshalb immer die Lizenzbedingungen des jeweiligen Shops oder Designers.

Ist eine Plotterdatei dasselbe wie eine Stickdatei?

Nein. Eine Plotterdatei enthält Schneidelinien, Formen oder Druckgrafiken für einen Schneideplotter.

Eine Stickdatei enthält dagegen konkrete Stichinformationen für eine Stickmaschine. Dazu gehören beispielsweise Stichpositionen, Sticharten und Farbwechsel.

Eine SVG-Datei kann deshalb nicht automatisch von einer Stickmaschine gestickt werden. Ebenso kann ein Maschinenstickformat nicht ohne Weiteres als Plotterdatei verwendet werden.

Plotten lernen: Einfache Anleitung für das erste Projekt​

Für dein erstes Projekt eignet sich ein einfacher Schriftzug aus Flexfolie auf einem Baumwollshirt, einem Kissenbezug oder einem Stoffbeutel.

Schritt 1: Motiv auswählen

Wähle eine einfache Plotterdatei mit:

  • klaren Formen
  • wenigen kleinen Details
  • nicht zu dünnen Linien
  • gut lesbarer Schrift
  • höchstens ein oder zwei Farben


Sehr kleine Texte und feine Schreibschriften sind beim Entgittern anspruchsvoll.


Schritt 2: Datei öffnen

Öffne die Plotterdatei in der Software deiner Maschine.

Kontrolliere, ob alle Ebenen und Linien korrekt angezeigt werden. Entferne doppelte Schneidelinien und nicht benötigte Elemente.


Schritt 3: Grösse anpassen

Miss die Fläche aus, auf die das Motiv übertragen werden soll.

Passe die Grösse in der Software an. Achte darauf, dass das Seitenverhältnis gesperrt bleibt, damit das Motiv nicht unbeabsichtigt verzerrt wird.

Erstelle bei Unsicherheit eine Papiervorlage. Schneide das Motiv zunächst aus gewöhnlichem Papier aus und lege es auf den Gegenstand. So kannst du Position und Grösse beurteilen, ohne Folie zu verbrauchen.


Schritt 4: Motiv spiegeln

Bei klassischer Bügelfolie muss das Motiv normalerweise vor dem Schneiden gespiegelt werden.

Die Folie wird mit der glänzenden Trägerseite nach unten auf die Schneidematte gelegt. Der Plotter schneidet von der Rückseite in die eigentliche Folie. Nach dem Entgittern wird das Motiv umgedreht und mit der richtigen Ausrichtung auf den Stoff gelegt.

Cricut weist bei gewöhnlichem Iron-On ausdrücklich darauf hin, das Motiv vor dem Schneiden zu spiegeln und die glänzende Trägerfolie nach unten auf die Schneidematte zu legen.

Nicht jedes bedruckbare Textilmaterial wird gespiegelt. Bei bedruckbarem Iron-On kann die Vorgehensweise je nach Produkt abweichen. In der Cricut-Anleitung für bedruckbares Iron-On wird das Motiv beispielsweise nicht gespiegelt.

Lies deshalb immer die Anleitung der verwendeten Folie.


Schritt 5: Material auf die Matte legen

Schneide ein ausreichend grosses Stück Folie zu.

Lege klassische Bügelfolie normalerweise mit der matten Folienseite nach oben und der glänzenden Trägerseite nach unten auf die Schneidematte.

Streiche das Material glatt. Es dürfen sich keine Falten, Wellen oder Luftblasen bilden.

Selbstklebende Vinylfolie wird mit dem Trägerpapier nach unten auf die Matte gelegt.


Schritt 6: Materialeinstellung wählen

Wähle in der Plottersoftware das tatsächlich verwendete Material aus.

Die Einstellung beeinflusst unter anderem:

  • Messertiefe
  • Schneidedruck
  • Geschwindigkeit
  • Anzahl der Schneidedurchgänge

Verlasse dich nicht ausschliesslich auf allgemeine Einstellungen wie Vinyl oder Bügelfolie. Unterschiedliche Hersteller, Oberflächen und Materialstärken können andere Werte benötigen.


Schritt 7: Testschnitt durchführen

Ein Testschnitt ist eine kleine Form, die vor dem eigentlichen Motiv geschnitten wird.

Bei einer korrekt eingestellten Flex- oder Vinylfolie sollte die Folie sauber geschnitten sein, ohne dass das Trägerpapier vollständig durchtrennt wird.

Lässt sich die Form nicht sauber entgittern, prüfe:

  • Messer
  • Messertiefe
  • Druck
  • Materialauswahl
  • Haftung auf der Matte

Führe möglichst vor jedem neuen Material einen Testschnitt durch. Hersteller empfehlen Testschnitte insbesondere bei unbekannten, dickeren oder empfindlichen Materialien.


Schritt 8: Motiv schneiden

Starte den Schneidevorgang.

Achte darauf, dass hinter und vor dem Plotter ausreichend Platz vorhanden ist. Die Schneidematte oder das Material bewegt sich während des Schneidens durch die Maschine.

Verschiebe den Plotter während des Schneidens nicht.


Schritt 9: Schnitt kontrollieren

Kontrolliere den Schnitt möglichst, bevor du die Matte vollständig entlädst oder das Material entfernst.

Hebe eine kleine Ecke oder ein Innenstück vorsichtig mit dem Entgitterwerkzeug an.

Ist der Schnitt noch nicht vollständig, kann bei manchen Maschinen ein weiterer Schneidedurchgang durchgeführt werden, solange Matte und Material nicht verschoben wurden.


Schritt 10: Entgittern

Entferne zuerst die grosse überschüssige Folienfläche.

Arbeite danach von aussen nach innen und entferne kleine Elemente aus Buchstaben, Symbolen und Zwischenräumen.

Halte die Plotterdatei oder eine Vorschau bereit. So erkennst du leichter, welche Teile entfernt werden müssen.


Schritt 11: Textil vorbereiten

Wasche neue Textilien nach Möglichkeit vor, sofern die Pflegehinweise und dein Projekt dies erlauben.

Verwende keinen Weichspüler, da Rückstände die Haftung beeinträchtigen können.

Lege das Textil glatt auf eine feste, hitzebeständige Unterlage. Entferne Fusseln und Haare mit einer Fusselrolle.

Presse die Fläche entsprechend den Angaben des Folienherstellers kurz vor. Dadurch können Feuchtigkeit und Falten reduziert werden. Siser empfiehlt bei einer verbreiteten Flexfolie beispielsweise ein kurzes Vorpressen, bevor das Motiv übertragen wird.


Schritt 12: Motiv positionieren

Lege das entgitterte Motiv mit der Trägerfolie nach oben auf das Textil.

Miss die Abstände zu Kanten, Nähten und Mittellinien. Fixiere das Motiv bei Bedarf mit hitzebeständigem Klebeband.

Achte darauf, dass keine dicken Nähte, Reissverschlüsse, Knöpfe oder Kordeln unter der Pressfläche liegen. Solche Erhöhungen können den Druck ungleichmässig verteilen.


Schritt 13: Motiv aufpressen

Stelle Temperatur, Pressdauer und Druck entsprechend den Herstellerangaben ein.

Presse das Motiv gleichmässig. Schiebe das Bügeleisen nicht wie beim gewöhnlichen Bügeln hin und her, sofern der Folienhersteller keine andere Anwendung empfiehlt.

Bei einem grossen Motiv arbeitest du mit dem Bügeleisen abschnittsweise. Jeder Bereich muss ausreichend Hitze und Druck erhalten.


Schritt 14: Trägerfolie entfernen

Je nach Bügelfolie wird die Trägerfolie:

  •  heiss
  • warm
  • lauwarm
  • oder vollständig kalt

abgezogen.

Warte die vorgeschriebene Zeit ab. Hebt sich die Folie beim Abziehen vom Stoff, lege die Trägerfolie zurück und presse gemäss Herstelleranleitung nach.


Schritt 15: Projekt auskühlen lassen

Lasse das Motiv vollständig auskühlen.

Wasche das Textil nicht sofort. Beachte die Wartezeit und Pflegehinweise des Folienherstellers.

Bedruckte oder beplottete Textilien sollten häufig auf links gewaschen werden. Hohe Temperaturen, aggressive Waschmittel und starke Reibung können die Oberfläche der Folie belasten.

Bunte Glitterpapiere in Blau, Weiß und Pink zum Basteln.

Vinylfolie richtig übertragen​

Bei selbstklebender Vinylfolie unterscheidet sich die Übertragung von Bügelfolie.

Schritt 1: Oberfläche reinigen

Die Oberfläche muss:

  • glatt
  • trocken
  • staubfrei
  • fettfrei
  • möglichst eben

sein.

Reinige Glas, Metall oder Kunststoff mit einem geeigneten Reinigungsmittel. Prüfe vorher, ob das Mittel die Oberfläche angreifen könnte.

Schritt 2: Motiv entgittern

Entferne alle nicht benötigten Folienteile. Kontrolliere besonders die Innenflächen kleiner Buchstaben.

Schritt 3: Transferfolie anbringen

Lege die Transferfolie auf das Motiv. Streiche mit dem Rakel von der Mitte nach aussen. Drehe das Motiv um und rakle bei Bedarf zusätzlich von der Rückseite.

Schritt 4: Trägerpapier entfernen

Ziehe das Trägerpapier langsam und in einem flachen Winkel ab. Bleiben Teile auf dem Papier, lege es zurück und rakle erneut.

Schritt 5: Motiv aufkleben

Positioniere das Motiv zunächst vorsichtig. Bei kleinen Motiven kannst du die gesamte Fläche auflegen. Bei grösseren Schriftzügen hilft eine Scharniermethode mit Klebeband.

Rakel das Motiv von der Mitte nach aussen fest.

Schritt 6: Transferfolie abziehen

Ziehe die Transferfolie langsam und flach ab. Heben sich einzelne Elemente, lege die Folie zurück und drücke den Bereich erneut an.

FAQ

Welche Folie eignet sich für welches Plotterprojekt?

Für Textilien wie T-Shirts, Kissen, Stoffbeutel oder Baumwolltaschen eignen sich Flexfolie und Flockfolie. Beide werden mit Hitze und Druck auf das Material übertragen.

Flexfolie ist glatt, dünn und in vielen Farben sowie Spezialeffekten erhältlich. Sie eignet sich gut für feine Schriften, klare Motive und mehrfarbige Designs.

Flockfolie besitzt eine weiche, samtige Oberfläche und wirkt etwas dicker. Sie eignet sich besonders für grössere Schriften, einfache Motive und Designs, die fühlbar sein sollen.

Selbstklebende Vinylfolie wird dagegen auf glatten, festen Oberflächen verwendet. Dazu gehören Glas, Kunststoff, Metall, Schilder, Vorratsdosen oder Ordnungsboxen. Für waschbare Textilien ist gewöhnliche Vinylfolie nicht geeignet.

Achte immer auf die Herstellerangaben der Folie. Temperatur, Pressdauer, Anpressdruck und Waschbeständigkeit können sich je nach Material deutlich unterscheiden.

 


Beim Plotten wird eine digitale Plotterdatei an den Schneideplotter übertragen. Der Plotter schneidet die Linien des Motivs mit einem kleinen Messer aus Folie, Papier oder einem anderen geeigneten Material aus. Anschliessend wird das Motiv entgittert und je nach Material aufgeklebt, aufgebügelt oder weiterverarbeitet.

 

Für Anfänger eignen sich einfache Plotterdateien mit klaren Linien, wenigen kleinen Details und nicht zu dünnen Schriften. Einfarbige Motive sind besonders leicht zu verarbeiten. Mehrfarbige oder sehr filigrane Designs erfordern mehr Erfahrung beim Schneiden, Entgittern und Übertragen.

Zur Grundausstattung gehören ein Schneideplotter, eine Schneidematte, ein Entgitterwerkzeug, geeignete Folie oder Papier und eine passende Plotterdatei. Für Textilien benötigst du zusätzlich Flexfolie oder Flockfolie sowie eine Transferpresse oder ein Bügeleisen. Für Vinylfolie ist häufig Transferfolie erforderlich.

Textilfolien wie Flexfolie und Flockfolie werden in der Regel gespiegelt geschnitten, weil sie von der Rückseite auf das Textil übertragen werden. Selbstklebende Vinylfolie wird normalerweise nicht gespiegelt geschnitten. Entscheidend sind immer die Hinweise des Folienherstellers und die Einstellungen in der Plottersoftware.

Wenn sich eine Plotterfolie schlecht entgittern lässt, kann die Datei zu filigran sein oder die Schnitteinstellung nicht zum Material passen. Auch eine stumpfe Klinge, zu wenig Schneidedruck oder eine falsche Messertiefe können die Ursache sein. Führe vor dem eigentlichen Motiv immer einen Testschnitt durch.

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