Cutting Corners Design heisst jetzt Bags and Seams Design!

Sarah, Blogauthorin von Bags and Seams Design

Autorin

Sarah von Bags and Seams Design

Sarah ist erfolgreiche Schnittmusterdesignerin für Taschen, Gründerin von Bags and Seams Design und BERNINA Kursleiterin. Mit viel Leidenschaft unterstützt sie Nähanfänger dabei, ihre Begeisterung fürs Taschennähen zu entdecken. In ihren hochwertigen Kursen vermittelt sie Schritt für Schritt das nötige Wissen und sorgt für motivierende Näherlebnisse mit sichtbaren Erfolgsergebnissen.

Inhaltsverzeichnis

Maschinensticken für Anfänger: Grundlagen, Materialien und einfache Anleitung

Maschine beim Sticken mit Hand auf Stoff, Nahaufnahme.

In Kürze

Maschinensticken ist eine tolle Kreativtechnik, die das Nähen wunderbar ergänzt. Ich erkläre dir welche Stickmaschine, Stickdatei, Nadel, Garne und Stickvliese du brauchst und alle Grundlagen die du wissen musst, um Stoffe und Taschen erfolgreich zu besticken. .

Beim Maschinensticken setzt eine Stickmaschine eine digitale Stickdatei automatisch in Stiche um. Für ein sauberes Ergebnis brauchst du neben der Maschine vor allem passendes Stickgarn, Unterfaden, eine geeignete Nadel, einen Stickrahmen und ein auf den Stoff abgestimmtes Stickvlies.

Gerade für Taschen sind Stickereien eine tolle Methode Stoffe zu verzieren und seine Nähprojekte zu individualisieren. 

Was ist Maschinensticken?​

Beim Maschinensticken wird ein digitales Stickmuster von einer computergesteuerten Stickmaschine auf Stoff übertragen. Die Stickdatei enthält nicht nur die sichtbare Form des Motivs. Sie gibt der Maschine unter anderem vor:

  • in welcher Reihenfolge gestickt wird
  • wo einzelne Stiche gesetzt werden
  • dann ein Farbwechsel erfolgt
  • wie dicht eine Fläche ausgestickt wird
  • an welchen Stellen Sprung- oder Vernähstiche notwendig sin
 

Damit unterscheidet sich das Maschinensticken deutlich vom Nähen.

Beim Nähen führst du den Stoff normalerweise selbst unter dem Nähfuss entlang. Beim computergesteuerten Sticken befindet sich der Stoff dagegen in einem Stickrahmen. Die Maschine bewegt diesen Rahmen automatisch entsprechend den Informationen in der Stickdatei.

Eine gut digitalisierte Stickdatei ist deshalb mehr als ein gewöhnliches Bild. Eine JPG-, PNG- oder SVG-Grafik kann nicht automatisch von jeder Stickmaschine gestickt werden. Sie muss zuerst mit einer Digitalisierungssoftware in ein maschinenlesbares Stickmuster umgewandelt werden.

Wie funktioniert Maschinensticken?​

Der grundsätzliche Ablauf ist bei den meisten Haushaltsstickmaschinen ähnlich:

1. Du wählst eine geeignete Stickdatei aus.
2. Du überträgst die Datei per USB, WLAN, App oder Softwareverbindung auf die Stickmaschine.
3. Du befestigst Stickvlies und Stoff im Stickrahmen oder fixierst das Material auf einem eingespannten Klebevlies.
4. Du setzt Stickgarn und Unterfaden ein.
5. Du positionierst das Motiv auf dem Display der Maschine.
6. Du überprüfst Grösse, Ausrichtung und Stickbereich.
7. Die Maschine stickt das Motiv Farbe für Farbe aus.
8. Anschliessend entfernst du den Rahmen, überschüssiges Stickvlies und gegebenenfalls Sprungfäden.

Das Stickvlies verhindert, dass sich der Stoff während des Stickens verschiebt, dehnt oder zusammenzieht.

Insbesondere bei elastischen, leichten, grob gewebten oder zum Verziehen neigenden Stoffen sollte nicht ohne eine ausreichende Stabilisierung gestickt werden.

Extra-Wissen: Stickgarnfarben wirken auf Stoff müssen meist anders gewählt werden als in der Datei angezeigt

Die Farbdarstellung einer Stickdatei auf dem Computer oder auf dem Display der Stickmaschine ist nur eine Vorschau. Meistens sind es Beispielfarben, die von dir je nach Wunsch aber auch nach Aufbau anders gewählt werden müssen.

Maschinen sticken

Welche Ausstattung braucht man zum Maschinensticken?

Eine Stickmaschine

Für das Maschinensticken für Anfänger kannst du eine reine Stickmaschine oder eine kombinierte Näh- und Stickmaschine verwenden.

Eine reine Stickmaschine ist ausschliesslich für Stickarbeiten gedacht. Eine Kombimaschine kann sowohl nähen als auch sticken. Welche Variante besser geeignet ist, hängt davon ab, welche Projekte du umsetzen möchtest und ob du bereits eine Nähmaschine besitzt.

Bei einer Stickmaschine für Anfänger sind vor allem folgende Eigenschaften hilfreich:

  • eine verständliche Bedienoberfläche
  • automatische Fadenspannung oder leicht verständliche Spannungseinstellunge
  • ein automatischer Fadenabschneider
  • ein gut sichtbares Farbdisplay
  • eine Einfädelhilfe
  • ein verbreitetes Stickdateiformat
  • eine unkomplizierte Dateiübertragung
  • mehrere kompatible Stickrahmen
  • eine möglichst grosse Stickfläche
 

Ein Stickfeld von etwa 10 × 10 Zentimetern reicht für kleine Motive, Labels und Monogramme. Möchtest du regelmässig grössere Stickmuster maschinensticken, Taschenklappen gestalten oder umfangreiche Schriftzüge verwenden, bietet ein grösseres Stickfeld mehr Freiheit.

Für Taschen ist nicht nur die Leistung der Maschine entscheidend. Wichtig ist auch, ob sich das zu bestickende Teil flach und ohne Behinderung am Maschinenarm positionieren lässt.

Eine Freiarmfunktion oder spezielle Stickrahmen können bei bereits zusammengenähten Taschen hilfreich sein. Für Anfänger ist es jedoch wesentlich einfacher, zuerst ein einzelnes Schnittteil zu besticken und die Tasche anschliessend zusammenzunähen.

Stickrahmen

Der Stickrahmen hält Stoff und Stickvlies während des Stickvorgangs stabil.

Verwende möglichst den kleinsten Rahmen, in den das Motiv mit ausreichendem Sicherheitsabstand hineinpasst. Ein unnötig grosser Rahmen kann die Stabilisierung erschweren.

Der Stoff soll glatt und stabil eingespannt sein, darf aber nicht überdehnt werden. Besonders elastische Materialien können sich nach dem Ausspannen wieder zusammenziehen und dadurch die Stickerei verformen.

Belasse den Stoff beim Einspannen in seiner natürlichen, entspannten Lage.

Nicht jedes Material muss direkt eingespannt werden. Dicke, empfindliche oder schwer zugängliche Werkstücke können auf einem bereits eingespannten Klebevlies fixiert werden. Diese Methode wird häufig als Floating bezeichnet.

Stickgarn

Maschinenstickgarn ist glatter und häufig glänzender als klassisches Nähgarn. Zu den gebräuchlichsten Varianten gehören Polyester, Viskose beziehungsweise Rayon, Baumwolle und Metallicgarn.

Polyester-Stickgarn ist robust, farbecht und vergleichsweise unempfindlich. Es eignet sich gut für häufig gewaschene Textilien, Kinderkleidung, Taschen und Gebrauchsgegenstände.

Viskose- oder Rayon-Stickgarn zeichnet sich durch einen besonders schönen Glanz aus. Es ist sehr beliebt für dekorative Stickereien, kann aber empfindlicher gegenüber Reibung oder intensiver Beanspruchung sein.

Baumwollstickgarn wirkt matter und natürlicher. Es wird gerne für traditionelle, rustikale oder bewusst handwerklich wirkende Motive eingesetzt.

Metallicgarn erzeugt glänzende Effekte, benötigt aber häufig eine spezielle Metallicnadel, eine reduzierte Stickgeschwindigkeit und eine angepasste Fadenspannung.

Ein weit verbreiteter Standard ist Stickgarn in Stärke 40. Beachte dennoch immer die Angaben des Garnherstellers und die Empfehlungen zur jeweiligen Stickdatei.

Unterfaden

Der Unterfaden befindet sich in der Spule und bildet gemeinsam mit dem Oberfaden die Stickstiche.

Spezielles Stickuntergarn ist meist feiner als das Oberfaden-Stickgarn. Dadurch wird die Rückseite weniger voluminös und die Stickerei bleibt geschmeidiger.

Bei vielen Stickarbeiten wird weisses oder schwarzes Untergarn verwendet. Bei freistehenden Motiven oder Projekten, bei denen die Rückseite sichtbar bleibt, kann ein farblich passender Unterfaden sinnvoll sein.

Halte dich bei der Wahl des Unterfadens an die Empfehlungen des Maschinenherstellers.

Stickmaschinennadeln

Sticknadeln besitzen in der Regel ein grösseres Nadelöhr als gewöhnliche Universalnadeln. Dadurch wird das Stickgarn beim schnellen Durchlauf weniger stark belastet.

Eine scharfe und unbeschädigte Nadel reduziert Fadenrisse, Fehlstiche und unsaubere Konturen.

Als Ausgangspunkt eignet sich bei normalem Stickgarn und mittelschweren Webstoffen häufig eine Sticknadel in Stärke 75/11 oder 80/12.

Die optimale Nadel hängt von vier Faktoren ab:

  • Stoffart
  • Stoffdicke
  • Garnstärke
  • Stichdichte der Stickdatei

Für dicht gewebte und schwere Jeansstoffe kann eine Jeansnadel sinnvoll sein. Jeansnadeln verfügen über einen verstärkten Schaft und sind für dichtes Gewebe ausgelegt.

Für Kunstleder wird je nach Materialaufbau häufig eine scharfe Microtex-, Jeans- oder Ledernadel verwendet.

Eine klassische Ledernadel schneidet kleine Öffnungen in das Material. Das kann bei echtem Leder hilfreich sein, bei beschichteten Kunstledern aber sichtbare Löcher oder Einrisse verursachen. Deshalb ist ein Probestick auf einem Reststück besonders wichtig.

Stickvlies

Das richtige Stickvlies gehört zu den wichtigsten Grundlagen beim Maschinensticken lernen.

Es stabilisiert das Material und verhindert, dass die Stickerei den Stoff verzieht oder wellig werden lässt. Dabei gibt es verschiedene Varianten:

Abreissbares Stickvlies

Abreissbares Stickvlies wird nach dem Sticken vorsichtig vom Motiv entfernt. Es eignet sich vor allem für stabile, nicht elastische Webstoffe und weniger dichte Stickmuster.

Als einfache Anfängerregel gilt: Abreissbares Stickvlies kann häufig bei festen Webstoffen verwendet werden. Elastische Materialien benötigen dagegen meistens ein dauerhaftes Schneidevlies.

Diese Regel ist nur ein Ausgangspunkt. Das Stickvlies muss immer an Stoff, Motivgrösse und Stichdichte angepasst werden.

Schneidbares Stickvlies

Schneidevlies bleibt dauerhaft hinter der Stickerei und wird nach dem Sticken lediglich rund um das Motiv zurückgeschnitten.

Es stützt die Stickerei auch nach mehreren Wäschen.

Schneidevlies eignet sich insbesondere für:

  • Jersey und Sweat
  • Strickstoffe
  • dehnbare Materialien
  • locker gewebte Stoffe
  • schwere oder sehr dichte Stickdateien
  • stark beanspruchte Textilien
 

Auswaschbares Stickvlies

Wasserlösliches Stickvlies wird nach dem Sticken mit Wasser entfernt.

Es wird für freistehende Spitze, transparente Stoffe und Projekte verwendet, bei denen kein Stickvlies sichtbar bleiben soll.

Selbstklebendes Stickvlies

Klebevlies ist praktisch, wenn ein Werkstück nicht direkt eingespannt werden kann.

Das Stickvlies wird in den Rahmen gespannt, die Schutzschicht wird entfernt und das Material auf die Klebefläche gelegt.

Diese Methode eignet sich beispielsweise für:

  • Taschenklappen
  • kleine Zuschnitte
  • Kunstleder
  • Kappen
  • fertige Taschen
  • empfindliche Stoffe
  • Materialien, auf denen der Rahmen Druckstellen hinterlassen könnte
 

Wasserlösliche Stickfolie als Überleger

Eine dünne wasserlösliche Folie wird auf die Oberseite des Stoffes gelegt.

Sie verhindert, dass Stiche in hochflorigen oder stark strukturierten Materialien versinken. Ein Topping ist besonders nützlich für Frottee, Fleece, Samt, Strick oder groben Canvas.

Weiteres Näh- und Stickzubehör

Zusätzlich zur Grundausstattung sind folgende Hilfsmittel sinnvoll:

  • eine kleine, scharfe Stickschere
  • eine Applikationsschere
  • Ersatznadeln
  • Ersatzspulen
  • temporärer Sprühkleber
  • wasserlöslicher Markierstift oder Kreidestift
  • eine Positionierschablone für den Stickrahmen
  • Massband und Lineal
  • Malerkrepp oder spezielles Stickklebeband
  • Pinzette
  • Nahttrenner
  • Stoffreste für Probestickereien
  • ein USB-Stick, falls die Maschine Dateien darüber einliest
  • eine Aufbewahrung für Garne und Stickdateien

Sprühkleber sollte sparsam und nach Herstellerangabe eingesetzt werden. Teste ihn vorher auf einem Reststück, da empfindliche oder beschichtete Materialien Flecken entwickeln können.

Stickdateien beim Maschinensticken verstehen

Darf man eine Stickdatei vergrössern oder verkleinern?

Eine Stickdatei ist ein Datensatz mit Stickinformationen.

Sie enthält unter anderem Stichpositionen, Farbwechsel und Bewegungen des Stickrahmens. Das Motiv wurde zuvor digitalisiert, also für die Ausführung durch eine Stickmaschine aufbereitet.

Die Qualität einer Stickerei hängt deshalb nicht nur von Maschine, Garn und Stoff ab. Auch die technische Qualität der Digitalisierung ist entscheidend.

Eine schlecht aufgebaute Stickdatei kann zu folgenden Problemen führen:

  • Fadenrisse
  • steife Stickflächen
  • sichtbare Lücken
  • verschobene Konturen
  • starkes Verziehen des Stoffes
  • unnötig viele Farbwechsel
  • übermässig viele Sprungstiche
Maschine beim Sticken eines komplexen Musters mit bunten Fäden.

Extra-Wissen: Das Ergebnis kann nach Stoffart variieren

Eine Stickmaschine arbeitet ein Motiv nicht einfach von oben nach unten ab. Die Reihenfolge der Flächen, Konturen und Details wird bereits beim Erstellen der Stickdatei festgelegt. Gut digitalisierte Stickdateien beginnen häufig mit stabilisierenden Unterlegstichen und arbeiten grössere Flächen vor kleinen Details oder Konturen. Diese Reihenfolge hilft dabei, den Stoff zu stabilisieren und Verschiebungen innerhalb des Motivs zu reduzieren. Deshalb können zwei optisch ähnliche Stickdateien auf demselben Stoff sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Qualität der Digitalisierung ist mindestens genauso wichtig wie die Qualität von Garn und Maschine. Diese Reihenfolge hilft dabei, den Stoff zu stabilisieren und Verschiebungen innerhalb des Motivs zu reduzieren. Deshalb können zwei optisch ähnliche Stickdateien auf demselben Stoff sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Qualität der Digitalisierung ist mindestens genauso wichtig wie die Qualität von Garn und Maschine.

Welche Dateiformate gibt es?​

Stickmaschinen verschiedener Hersteller verwenden unterschiedliche Dateiformate.

Zu den verbreiteten Formaten gehören:

  • PES für viele Brother- und Baby-Lock-Maschinen
  • EXP für zahlreiche BERNINA-Systeme
  • JEF für viele Janome-Maschinen
  • VP3 für verschiedene Husqvarna-Viking- und Pfaff-Systeme
  • DST als verbreitetes industrielles Austauschformat

Massgeblich ist immer die Bedienungsanleitung deiner konkreten Maschine. Nicht jede Maschine eines Herstellers unterstützt automatisch dieselben Formate.

Überprüfe trotzdem die Bedienungsanleitung deiner Nähmaschine. Besonders bei älteren Maschinen, Overlockmaschinen, Coverlockmaschinen und Industriemaschinen können andere Nadelsysteme erforderlich sein.

Die richtige Nadelart allein genügt nicht, wenn das Nadelsystem nicht zur Maschine passt.

Worauf sollte man beim Stickdatei-Download achten?​

Bevor du eine Stickdatei kaufen oder einen Stickdatei-Download starten möchtest, kontrolliere folgende Punkte:

1. Ist das von deiner Maschine benötigte Dateiformat enthalten?
2. Passt die Motivgrösse in deinen Stickrahmen?
3. Ist eine Farbliste beigefügt?
4. Gibt es Angaben zu Stichzahl und Farbwechseln?
5. Werden Material- und Stickvliesempfehlungen genannt?
6. Ist das Design für Anfänger geeignet?
7. Darfst du damit hergestellte Produkte verkaufen?
8. Darfst du die Datei verändern?
9. Darf die digitale Datei weitergegeben werden?

Eine gekaufte Lizenz berechtigt normalerweise nicht dazu, die Originaldatei zu teilen, zu verschenken oder weiterzuverkaufen.

Prüfe die Lizenzbedingungen des jeweiligen Shops. Auch bei kostenlosen Stickdateien können Einschränkungen für die gewerbliche Nutzung gelten. 

Maschinensticken-Anleitung für das erste Projekt

Für dein erstes Projekt eignen sich fester Baumwollstoff, Canvas oder ein einfacher Taschenzuschnitt.

Wähle eine wenig dichte Stickdatei mit wenigen Farbwechseln.

Schritt 1: Stickdatei auswählen

Kontrolliere Dateiformat, Motivgrösse und Stickrahmengrösse.

Beginne mit einem klaren Motiv ohne extrem kleine Schrift, filigrane Details oder grosse vollflächige Füllungen.

Schritt 2: Material vorbereiten

Wasche den Stoff vor, wenn das spätere Projekt ebenfalls gewaschen werden soll.

Bügle den Stoff glatt und markiere die gewünschte Motivmitte.

Berücksichtige bei Taschenteilen unbedingt die Nahtzugabe und die spätere Position von Reissverschlüssen, Klappen, Henkeln oder Aussentaschen.

Schritt 3: Stickvlies auswählen

Verwende bei fester Baumwolle oder Canvas zunächst ein mittelschweres Abreiss- oder Schneidevlies.

Je dichter und grösser das Motiv ist, desto mehr Stabilität wird benötigt.

Schritt 4: Stoff einspannen

Lege Stickvlies und Stoff faltenfrei in den Rahmen.

Ziehe den Stoff nicht künstlich auseinander. Das Material soll stabil liegen, aber seine natürliche Form behalten.

Bei Kunstleder oder sehr dickem Canvas spannst du besser nur ein selbstklebendes Stickvlies ein und befestigst das Werkstück darauf.

Fixiere es bei Bedarf ausserhalb des Stickbereichs zusätzlich mit Heftstichen oder geeignetem Klebeband.

Schritt 5: Maschine vorbereiten

Setze eine neue und geeignete Nadel ein.

Fädle Ober- und Unterfaden nach der Anleitung deiner Maschine ein und bringe den Stickrahmen an.

Überprüfe, ob sich im Bewegungsbereich des Stickrahmens keine Stofflagen, Kabel, Werkzeuge oder anderen Gegenstände befinden.

Schritt 6: Motiv positionieren

Kontrolliere auf dem Display:

  • die Ausrichtung
  • die Motivmitte
  • die Grösse
  • den verwendeten Rahmen
  • die Farbreihenfolge

Nutze, sofern vorhanden, die Umriss- oder Rahmenprüffunktion. Die Maschine fährt damit den äusseren Stickbereich ab, ohne das Motiv bereits zu sticken.

So kannst du überprüfen, ob das Motiv innerhalb der vorgesehenen Fläche liegt.

Schritt 7: Probestick durchführen

Sticke das Motiv mit demselben Stoff, Stickvlies, Garn und derselben Nadelkombination auf einem Reststück.

Nur dann zeigt der Test zuverlässig, wie sich das eigentliche Projekt verhalten wird.

Prüfe beim Probestick:

  • ob sich der Stoff wellt
  • ob Konturen und Flächen übereinanderliegen
  • ob die Farben auf dem Stoff gut wirken
  • ob kleine Details erkennbar sind
  • ob das Stickvlies ausreichend stabilisiert
  • ob sich Löcher oder Beschädigungen im Material bilden

Schritt 8: Motiv sticken

Starte die Maschine und beobachte besonders die ersten Stiche.

Greife während des Stickens nicht in den Bereich des Stickrahmens. Ziehe nicht am Stoff und versuche nicht, den Rahmen während des Stickens zu führen.

Wechsle die Garnfarbe, wenn die Maschine dies anzeigt.

Schritt 9: Stickerei fertigstellen

Nimm den Rahmen aus der Maschine und löse das Werkstück vorsichtig.

Entferne Abreissvlies von aussen nach innen, damit die Stickerei nicht verzogen wird. Schneide dauerhaftes Stickvlies mit etwas Abstand zum Motiv zurück.

Entferne lose Sprungfäden und bügle die Stickerei bei Bedarf vorsichtig von der Rückseite.

Beachte dabei die Temperaturempfindlichkeit von Garn, Stoff und Kunstleder.

Welche Stoffe eignen sich zum Maschinensticken?

Grundsätzlich lassen sich sehr viele Stoffe besticken.

Für jedes Material muss jedoch die Kombination aus Stickdatei, Nadel, Stickvlies, Garn und Einspannmethode stimmen.

Baumwollstoff

Feste Webware aus Baumwolle ist ideal für Anfänger.

Sie lässt sich gut einspannen und verzieht sich vergleichsweise wenig. Verwende je nach Motiv ein abreissbares oder schneidbares Stickvlies.

Canvas

Canvas ist hervorragend für Taschen, Utensilos und Wohnaccessoires geeignet.

Da das Material stabil ist, lässt es sich meist gut besticken. Trotzdem sollte ein Stickvlies verwendet werden, damit sich die Fläche bei dichten Motiven nicht zusammenzieht.

Bei grobem Canvas kann eine wasserlösliche Folie auf der Oberseite verhindern, dass feine Konturen zwischen den Gewebestrukturen verschwinden.

Jeans

Jeans lässt sich gut besticken, ist an Nähten und mehrlagigen Stellen aber sehr dick.

Sticke möglichst nicht direkt über Kappnähte, Taschenansätze oder andere starke Erhöhungen. Verwende bei schwerem Denim eine passende Jeans- oder Sticknadel und teste die Stichqualität.

Jersey und Sweat

Elastische Stoffe benötigen ein dauerhaftes Schneidevlies.

Der Stoff darf beim Einspannen nicht gedehnt werden. Bei stark strukturiertem Sweat kann zusätzlich ein wasserlösliches Topping sinnvoll sein.

Frottee, Fleece und Samt

Bei Stoffen mit Flor können Stiche im Material versinken.

Verwende ein stabiles Stickvlies auf der Rückseite und wasserlösliche Stickfolie auf der Vorderseite.

Kunstleder

Kunstleder kann bestickt werden, verlangt aber eine sorgfältige Vorbereitung.

Jeder Einstich bleibt dauerhaft sichtbar. Eine fehlerhafte Stickerei lässt sich deshalb nicht einfach auftrennen und neu sticken.

Verwende ein nicht zu dichtes Motiv, reduziere bei Bedarf die Stickgeschwindigkeit und spanne das Kunstleder möglichst nicht direkt in den Rahmen.

Ein selbstklebendes Stickvlies oder ein sparsam eingesetzter temporärer Sprühkleber kann helfen, Druckstellen zu vermeiden.

Sehr feine Details, extrem dichte Füllflächen und mehrfach überstickte Konturen können das Material perforieren.

Ein Motiv mit offenen Flächen, Applikationselementen oder moderater Stichdichte ist häufig die bessere Wahl.

Verschiedene bunte Garnrollen für Maschinensticken auf einem Tisch.

Häufige Fehler beim Maschinensticken und wie du sie löst

Der Stoff wellt sich

Mögliche Ursachen sind ein zu leichtes Stickvlies, eine sehr dichte Stickdatei, überdehnter Stoff oder eine ungeeignete Fadenspannung.

Verwende ein stabileres Stickvlies und teste das Motiv. Spanne elastische Stoffe niemals unter Zug ein.

Der Oberfaden reisst

Prüfe, ob die Maschine korrekt eingefädelt ist, die Nadel beschädigt oder stumpf ist und das Garn frei von der Rolle ablaufen kann.

Auch eine zu hohe Fadenspannung oder eine unpassende Nadel kann Fadenrisse verursachen.

Der Unterfaden ist auf der Vorderseite sichtbar

Das kann auf eine zu hohe Oberfadenspannung, einen falsch eingelegten Unterfaden oder eine ungeeignete Garnkombination hindeuten.

Fädle die Maschine vollständig neu ein, bevor du grössere Einstellungen veränderst.

Konturen und Füllflächen liegen nicht übereinander

Dieses sogenannte Registrierungsproblem kann durch unzureichende Stabilisierung, schlecht eingespannten Stoff oder eine fehlerhaft digitalisierte Stickdatei entstehen.

Führe einen Probestick durch und verwende bei Bedarf ein stabileres Stickvlies.

Die Nadel bricht

Mögliche Ursachen sind eine beschädigte oder falsch eingesetzte Nadel, eine unpassende Kombination aus Nadel, Stoff und Garn oder das Sticken über zu dicke Stellen.

Ziehe oder drücke niemals am Stickrahmen, während die Maschine arbeitet.

Das Motiv ist zu steif

Eine sehr hohe Stichdichte, mehrere Lagen schweres Stickvlies oder ein für den Stoff ungeeignetes Motiv können die Stickerei hart machen.

Verwende ein leichteres oder offener digitalisiertes Motiv und nur so viel Stabilisierung wie notwendig.

FAQ

Wie funktioniert Maschinensticken?

Beim Maschinensticken liest eine Stickmaschine eine digitale Stickdatei.

Diese enthält Informationen über Stichpositionen, Sticharten und Farbwechsel. Stoff und Stickvlies werden in einem Stickrahmen stabilisiert. Anschliessend bewegt die Maschine den Rahmen automatisch und stickt das Motiv Schritt für Schritt aus.

Maschinensticken lernt man am besten mit einfachen Motiven auf fester Baumwolle oder Canvas.

Anfänger sollten zunächst das Einspannen, die Auswahl des Stickvlieses, das Einfädeln und die Positionierung üben. Ein Probestick mit denselben Materialien wie beim Hauptprojekt hilft, Fehler zu erkennen.

Eine Stickmaschine für Anfänger sollte leicht bedienbar sein und ein übersichtliches Display, eine Einfädelhilfe sowie eine einfache Dateiübertragung besitzen.

Achte ausserdem darauf, dass die Rahmengrösse nicht zu klein ist, falls du später auch mal grössere Dateien sticken möchtest. 

 

Zur Grundausstattung gehören eine Stickmaschine, passende Stickrahmen, Maschinenstickgarn, Stickunterfaden, Sticknadeln, Stickvlies, eine Stickschere und eine kompatible Stickdatei.

Markierwerkzeuge, temporärer Sprühkleber, Klebeband und Ersatzspulen erleichtern die Arbeit.

Feste Baumwollstoffe und Canvas eignen sich besonders gut für Anfänger.

Auch Jeans, Jersey, Sweat, Frottee, Filz und Kunstleder können bestickt werden. Entscheidend sind das richtige Stickvlies, eine geeignete Nadel und eine Stickdatei, deren Stichdichte zum Material passt.

Für normales Stickgarn und mittelschwere Webstoffe eignet sich häufig eine Sticknadel in Stärke 75/11 oder 80/12.

Für Jeans kann eine Jeansnadel, für Metallicgarn eine Metallicnadel und für manche Kunstlederarten eine Microtex- oder Ledernadel erforderlich sein.

Die Kombination sollte immer auf einem Reststück getestet werden.

Für stabile und nicht elastische Baumwollwebware genügt bei einem leichten Motiv häufig abreissbares Stickvlies.

Für grössere, dichtere oder dauerhaft beanspruchte Stickereien bietet Schneidevlies mehr Stabilität.

Achte beim Kauf einer Stickdatei auf das Format deiner Maschine, die Motivgrösse, die benötigte Rahmengrösse und die Lizenzbedingungen.

Gute Angebote enthalten mehrere Grössen, eine Farbliste, Materialhinweise und eine Übersicht der unterstützten Dateiformate.

Ja. Sogenannte In-the-Hoop-Dateien können kleine Taschen, Etuis oder Anhänger weitgehend im Stickrahmen herstellen.

Die Datei enthält neben dekorativen Stichen auch Platzierungs- und Konstruktionsnähte. Anfänger sollten eine ausführlich bebilderte Anleitung verwenden und genau prüfen, welche Rahmengrösse benötigt wird.

Ein Probestick zeigt, ob Stoff, Stickvlies, Garn, Nadel, Fadenspannung und Stickdatei zusammenpassen.

Er hilft, Falten, Fadenrisse, verschobene Konturen oder eine ungeeignete Stichdichte zu erkennen, bevor das eigentliche Werkstück bestickt wird.

Weitere Beiträge (individuell auswählen)

Extra-Wissen: Stickgarnfarben wirken auf Stoff müssen meist anders gewählt werden als in der Datei angezeigt

Die Farbdarstellung einer Stickdatei auf dem Computer oder auf dem Display der Stickmaschine ist nur eine Vorschau. Meistens sind es Beispielfarben, die von dir je nach Wunsch aber auch nach Aufbau anders gewählt werden müssen.

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